Hausbesuche
Hausbesuche gehören zu den wichtigen Leistungen der Hausarztpraxis und ermöglichen die medizinische Versorgung von Patienten, die nicht in die Praxis kommen können. Wenn Patienten gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, den Arzt aufzusuchen, werden sie selbstverständlich zu Hause besucht. Dies betrifft vor allem ältere, pflegebedürftige oder schwer erkrankte Menschen. Der Hausarzt kommt mit der notwendigen Ausrüstung zur Untersuchung und kann viele Behandlungen auch im häuslichen Umfeld durchführen. Die persönliche Betreuung zu Hause gibt Sicherheit und ermöglicht eine umfassende Einschätzung der Lebenssituation.
Wann ist ein Hausbesuch notwendig
Ein Hausbesuch ist medizinisch begründet, wenn der Patient aus gesundheitlichen Gründen die Praxis nicht aufsuchen kann. Typische Situationen sind akute schwere Erkrankungen wie hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl, akute Atemnot oder starke Schmerzen, die das Verlassen des Hauses unmöglich machen. Auch nach Operationen, wenn der Patient noch nicht mobil ist, sind Hausbesuche sinnvoll.
Chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen benötigen oft regelmäßige Hausbesuche. Bei Bettlägerigkeit oder starker Gehbehinderung ist der Transport zur Praxis nicht zumutbar. Auch Patienten mit fortgeschrittenen Demenzerkrankungen sind in ihrer gewohnten Umgebung oft ruhiger und kooperativer als in der fremden Praxisumgebung.
Akute Notfälle wie Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall erfordern jedoch nicht den Hausbesuch, sondern die sofortige Alarmierung des Rettungsdienstes über die 112. Der Hausarzt kann in solchen Situationen nicht die notwendige Akutversorgung leisten. Hausbesuche sind für nicht lebensbedrohliche, aber behandlungsbedürftige Situationen gedacht.
Organisation und Ablauf
Hausbesuche sollten möglichst morgens bei der Praxis angemeldet werden, damit sie in den Tagesablauf eingeplant werden können. Die Praxis erfragt dabei die Beschwerden, die Adresse und die Dringlichkeit. Akute Verschlechterungen werden bevorzugt behandelt, geplante Kontrollbesuche erfolgen nach Möglichkeit im Anschluss an die Sprechstunde.
Der Arzt kommt mit einer Notfalltasche, die die wichtigsten Untersuchungsgeräte und Medikamente enthält. Ein EKG-Gerät, Blutdruckmessgerät, Stethoskop und Material zur Blutabnahme gehören zur Standardausrüstung. Auch Medikamente für häufige Notfälle wie Asthmaanfälle, allergische Reaktionen oder Schmerzzustände werden mitgeführt.
Die Untersuchung zu Hause unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der in der Praxis. Der Hausarzt erhebt die Krankengeschichte, untersucht den Patienten körperlich und stellt eine Diagnose. Allerdings sind nicht alle Untersuchungen möglich. Laboruntersuchungen können zwar durch Blutabnahme eingeleitet werden, die Ergebnisse liegen aber erst später vor. Auch Ultraschall oder Röntgenbilder sind zu Hause nicht verfügbar.
Was kann beim Hausbesuch gemacht werden
Die Möglichkeiten beim Hausbesuch sind umfangreich, aber nicht unbegrenzt. Ein EKG kann geschrieben werden, um Herzrhythmusstörungen oder Durchblutungsstörungen zu erkennen. Der Blutdruck wird gemessen, und bei Bedarf können Blutzuckerbestimmungen sofort durchgeführt werden. Diese Sofortdiagnostik hilft, die Situation richtig einzuschätzen.
Blutabnahmen für weitergehende Laboruntersuchungen sind problemlos möglich. Die Proben werden mitgenommen und im Labor analysiert. Die Ergebnisse werden mit dem Patienten oder den Angehörigen telefonisch besprochen. Bei auffälligen Werten kann ein erneuter Besuch oder eine Krankenhauseinweisung notwendig werden.
Häufige Behandlungen beim Hausbesuch:
- Medikamentenverschreibung und Therapieanpassung
- Infusionen bei Flüssigkeitsmangel oder zur Medikamentengabe
- Wundversorgung mit Verbandswechsel
- Katheterisierung der Harnblase bei Harnverhalt
- Rezepte und Überweisungen ausstellen
Auch Impfungen können zu Hause durchgeführt werden. Dies ist besonders für immobile ältere Menschen wichtig, die die jährliche Grippeimpfung oder andere Auffrischimpfungen benötigen. Die Impfberatung erfolgt dabei ebenso gründlich wie in der Praxis.
Grenzen der häuslichen Versorgung
Nicht alles ist im Hausbesuch möglich. Komplexe diagnostische Verfahren wie Ultraschall, Herzultraschall oder Lungenfunktion erfordern den Besuch in der Praxis oder im Krankenhaus. Auch für aufwendige Behandlungen wie eine Elektrokardioversion oder Punktionen müssen Patienten in eine medizinische Einrichtung.
Bei unklaren oder bedrohlichen Situationen wird der Hausarzt eine Krankenhauseinweisung veranlassen. Die Sicherheit des Patienten hat immer Vorrang. Wenn die häusliche Versorgung nicht ausreicht oder die Diagnose nicht sichergestellt werden kann, ist die stationäre Aufnahme notwendig. Der Arzt organisiert dann den Transport und informiert das Krankenhaus.
Regelmäßige Betreuung zu Hause
Viele pflegebedürftige Menschen werden regelmäßig zu Hause betreut. Der Hausarzt kommt in festen Abständen, kontrolliert die Medikation und bespricht den Gesundheitszustand mit Patient und Angehörigen. Diese kontinuierliche Betreuung ermöglicht es vielen Menschen, trotz schwerer Erkrankungen zu Hause zu bleiben.
Bei der Betreuung zu Hause erhält der Arzt auch Einblicke in die Lebenssituation. Die Wohnsituation, die Versorgung durch Angehörige oder Pflegedienste und die Medikamenteneinnahme können beurteilt werden. Manchmal werden Probleme erkannt, die in der Praxis nicht aufgefallen wären. Verwahrlosung, Mangelernährung oder Überforderung der Angehörigen können so frühzeitig erkannt und Hilfen organisiert werden.
Palliativversorgung
In der letzten Lebensphase ermöglichen Hausbesuche ein Sterben in der gewohnten Umgebung. Die palliative Versorgung zu Hause erfordert engmaschige Betreuung durch den Hausarzt, oft in Zusammenarbeit mit spezialisierten Palliativdiensten. Schmerztherapie, Symptomkontrolle und psychosoziale Unterstützung stehen im Vordergrund.
Die Betreuung am Lebensende ist eine wichtige Aufgabe der hausärztlichen Versorgung. Der Hausarzt kennt den Patienten oft seit Jahren und kann in dieser schweren Zeit Halt geben. Auch die Begleitung der Angehörigen gehört dazu. Die Möglichkeit, zu Hause zu sterben, wird von vielen Menschen und ihren Familien sehr geschätzt. Hausbesuche machen dies möglich und sind ein wichtiger Teil einer menschlichen Medizin.




