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Belastungs-EKG

Ein Belastungs-EKG gehört zu den wichtigsten kardiologischen Untersuchungen, um die Leistungsfähigkeit des Herzens unter körperlicher Anstrengung zu beurteilen. Während ein Ruhe-EKG nur eine Momentaufnahme liefert, zeigt das Belastungs-EKG, wie das Herz auf erhöhte Anforderungen reagiert. Diese Untersuchung wird häufig bei Verdacht auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgeführt und kann wichtige Hinweise auf eine eingeschränkte Durchblutung des Herzmuskels geben.

Wann wird ein Belastungs-EKG gemacht

Die Indikationen für ein Belastungs-EKG sind vielfältig. Häufig wird die Untersuchung angeordnet, wenn Patienten über Brustschmerzen klagen, die bei körperlicher Anstrengung auftreten. Auch unklare Atemnot bei Belastung, Schwindel oder ein Druckgefühl in der Brust können Anlass für diese Diagnostik sein. Ein Internist oder Kardiologe setzt das Verfahren ein, um eine koronare Herzkrankheit auszuschließen oder zu bestätigen.

Darüber hinaus dient das Belastungs-EKG der Verlaufskontrolle bei bereits bekannten Herzerkrankungen. Nach einem Herzinfarkt oder bei der Behandlung von Bluthochdruck lässt sich damit überprüfen, wie gut die Therapie wirkt. Auch zur Beurteilung der allgemeinen Belastbarkeit vor sportlichen Aktivitäten oder zur Einschätzung des Herzrhythmus unter Anstrengung kommt die Untersuchung zum Einsatz. Besonders bei Risikopatienten mit Diabetes, erhöhten Blutfettwerten oder familiärer Vorbelastung kann ein Belastungs-EKG frühzeitig Hinweise auf Herzprobleme liefern.

Vorbereitung auf die Untersuchung

Vor einem Belastungs-EKG sollten Patienten einige Hinweise beachten. Am Untersuchungstag empfiehlt es sich, leichte Kleidung und festes Schuhwerk zu tragen. Eine schwere Mahlzeit sollte mindestens zwei Stunden vorher vermieden werden. Bestimmte Medikamente, insbesondere Betablocker, können nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vor der Untersuchung pausiert werden, da sie die Herzfrequenz beeinflussen und das Ergebnis verfälschen könnten. Auch sollten Patienten ihre aktuelle Medikamentenliste und den Impfpass mitbringen, falls weitere Untersuchungen notwendig werden.

Ablauf der Untersuchung

Bei der Durchführung werden Elektroden auf der Brust befestigt, die die elektrischen Herzaktivitäten aufzeichnen. Parallel dazu wird eine Blutdruckmanschette angelegt, um während der gesamten Belastung den Blutdruck zu überwachen. Die eigentliche Belastung erfolgt meist auf einem Fahrradergometer, seltener auf einem Laufband.

Die Belastung beginnt mit einer niedrigen Wattzahl und wird alle zwei bis drei Minuten stufenweise gesteigert. Währenddessen werden kontinuierlich EKG, Puls und Blutdruck kontrolliert. Der untersuchende Kardiologe oder Internist beobachtet sowohl die Werte auf dem Monitor als auch das Befinden des Patienten. Die Untersuchung wird beendet, wenn die maximale Herzfrequenz erreicht ist, typische Beschwerden auftreten oder Veränderungen im EKG sichtbar werden. Die Gesamtdauer beträgt meist zwischen zehn und zwanzig Minuten.

Worauf achtet der Arzt

Während der Belastung wertet der Untersucher verschiedene Parameter aus. Besonders wichtig sind Veränderungen der sogenannten ST-Strecke im EKG, die auf eine Minderdurchblutung des Herzmuskels hinweisen können. Solche Auffälligkeiten entstehen häufig bei einer koronaren Herzkrankheit, wenn die Herzkranzgefäße verengt sind und das Herz unter Belastung nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Auch der Blutdruckverlauf gibt wichtige Informationen. Ein zu starker Anstieg oder ein Abfall des Blutdrucks unter Belastung kann auf Probleme hinweisen. Ebenso werden Herzrhythmusstörungen, die erst unter Anstrengung auftreten, dokumentiert. Die Belastbarkeit selbst, also wie viele Watt der Patient erreicht, ist ein weiterer wichtiger Faktor zur Beurteilung der körperlichen Fitness. Ein trainierter Mensch erreicht deutlich höhere Wattzahlen als jemand mit eingeschränkter Herzfunktion.

Was das Belastungs-EKG zeigt

Die Untersuchung liefert wertvolle Hinweise auf verschiedene Herzerkrankungen:

  • Durchblutungsstörungen des Herzmuskels bei verengten Herzkranzgefäßen
  • Belastungsabhängige Herzrhythmusstörungen wie Extraschläge oder schnelle Rhythmusstörungen
  • Unzureichende Blutdruckregulation unter körperlicher Anstrengung
  • Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit bei Herzschwäche

Ein unauffälliges Belastungs-EKG spricht in den meisten Fällen gegen eine relevante koronare Herzkrankheit. Dennoch kann die Untersuchung nicht alle Herzerkrankungen ausschließen. Bei weiterhin bestehendem Verdacht oder bei atypischen Beschwerden können zusätzliche Untersuchungen wie ein Herzultraschall, eine Stress-Echokardiographie oder eine Langzeit-Blutdruckmessung notwendig werden. Manchmal empfiehlt der Kardiologe auch eine Langzeit-EKG-Aufzeichnung, um Rhythmusstörungen über 24 Stunden zu erfassen.

Grenzen und Ergänzungen

Das Belastungs-EKG hat eine Aussagekraft von etwa 60 bis 70 Prozent. Das bedeutet, dass nicht alle Herzerkrankungen damit sicher erkannt werden können. Bei unklaren Befunden oder wenn Patienten die volle Belastung nicht erreichen können, bieten sich andere Verfahren an. Die Stress-Echokardiographie kombiniert die Belastung mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens und erhöht die Treffsicherheit auf über 90 Prozent.

Für Patienten, die nicht auf dem Ergometer belasten können, gibt es medikamentöse Alternativen. Dabei werden Substanzen verabreicht, die den Effekt körperlicher Belastung auf das Herz nachahmen. In einer gut ausgestatteten Kardiologie stehen diese Optionen zur Verfügung, um auch bei eingeschränkter Mobilität eine aussagekräftige Diagnostik zu ermöglichen.

In der Hausarztpraxis wird das Belastungs-EKG häufig als erste diagnostische Maßnahme eingesetzt. Bei auffälligen Befunden erfolgt dann die Überweisung zu einem Facharzt für weiterführende Untersuchungen. Das Belastungs-EKG bleibt trotz aller technischen Weiterentwicklungen ein unverzichtbares Verfahren in der kardiologischen Diagnostik. Es ist schnell durchführbar, risikoarm und liefert wichtige Informationen über die Herzgesundheit unter realistischen Bedingungen.