Zurück zum Wiki

Ablauf der Reanimation

Wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht und nicht mehr atmet, bleiben nur wenige Minuten, um sein Leben zu retten. Der Kreislaufstillstand ist einer der dramatischsten medizinischen Notfälle überhaupt – und gleichzeitig einer, bei dem Ersthelfer einen entscheidenden Unterschied machen können. Denn bis der Rettungsdienst eintrifft, vergehen wertvolle Minuten. Wer in dieser Zeit richtig handelt, kann das Überleben des Betroffenen maßgeblich beeinflussen. Das gilt im öffentlichen Raum genauso wie in einer Hausarztpraxis oder einem MVZ – wo ein gut vorbereitetes Team im Ernstfall sofort zur Stelle sein muss.

Was passiert beim Kreislaufstillstand?

Beim Kreislaufstillstand hört das Herz auf, Blut durch den Körper zu pumpen. Das Gehirn wird innerhalb von Sekunden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt – nach etwa drei bis fünf Minuten ohne Durchblutung beginnen irreversible Schäden. Nach zehn Minuten ohne Reanimation sind die Überlebenschancen minimal.

Die häufigste Ursache eines plötzlichen Herzstillstands ist Kammerflimmern – ein chaotisches, unkontrolliertes Zittern der Herzmuskulatur, das keine effektive Pumpleistung mehr erbringt. Genau hier setzt die Reanimation an: Herzdruckmassage und Beatmung halten die Organe am Leben, bis ein Defibrillator den normalen Herzrhythmus wiederherstellen kann. Zeit ist dabei der entscheidende Faktor. Jede Minute ohne Reanimation senkt die Überlebenschance um etwa zehn Prozent.

Erkennen – der erste und oft schwierigste Schritt

Bevor mit der Reanimation begonnen werden kann, muss der Kreislaufstillstand erkannt werden. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber nicht immer so. Nicht jeder Bewusstlose hat einen Kreislaufstillstand. Und nicht jeder Herzstillstand geht mit dem klassischen Bild des leblosen, stillen Patienten einher.

Wichtige Erkennungsmerkmale sind:

  • Bewusstlosigkeit: Der Betroffene reagiert nicht auf Ansprache oder Berühren
  • Fehlende normale Atmung: Keine Atemgeräusche, keine Brustbewegungen – oder nur einzelne, unregelmäßige Schnappatmung
  • Kein tastbarer Puls: Für medizinisches Fachpersonal relevant, aber kein Grund zur Verzögerung – bei Unsicherheit sofort mit der Reanimation beginnen

Im Praxisalltag gilt: Im Zweifel handeln. Eine unnötige Reanimation bei jemandem, der nur ohnmächtig ist, richtet keinen Schaden an. Eine ausbleibende Reanimation beim echten Herzstillstand kann tödlich sein.

Der Ablauf der Reanimation Schritt für Schritt

Die Reanimation folgt einem klaren Schema, das international standardisiert ist und regelmäßig aktualisiert wird. In Deutschland orientieren sich Ärzte, Sanitäter und auch Laien an den Leitlinien des European Resuscitation Council – kurz ERC.

Schritt 1 – Sicherheit prüfen: Bevor jemand dem Betroffenen hilft, muss sichergestellt sein, dass keine Gefahr für den Helfer besteht. In der Praxis ist das meist unkritisch – im öffentlichen Raum kann es relevant sein.

Schritt 2 – Bewusstsein und Atmung prüfen: Ansprechen, an der Schulter rütteln, Atmung beobachten. Maximal zehn Sekunden. Ist keine normale Atmung vorhanden: Notruf und sofortiger Beginn der Herzdruckmassage.

Schritt 3 – Notruf absetzen: 112 wählen, Zustand schildern, Standort nennen. In einer Hausarztpraxis oder einem MVZ übernimmt eine zweite Person diesen Schritt, während die erste bereits mit der Reanimation beginnt.

Schritt 4 – Herzdruckmassage: Der Betroffene liegt auf dem Rücken auf hartem Untergrund. Die Hände werden übereinander auf die Mitte des Brustkorbs gelegt, die Arme gestreckt. Dann wird rhythmisch gedrückt – mindestens fünf, maximal sechs Zentimeter tief, mit einer Frequenz von 100 bis 120 Drücken pro Minute. Das ist schneller und kräftiger, als die meisten Menschen erwarten.

Schritt 5 – Beatmung: Nach 30 Herzdruckmassagen folgen zwei Beatmungen – Atemwege öffnen, Nase zuhalten, Mund zu Mund oder mit Beatmungsmaske. Wer die Beatmung nicht beherrscht oder sich nicht traut, kann auch ausschließlich Herzdruckmassage durchführen – das ist besser als nichts.

Schritt 6 – Defibrillation: Sobald ein Defibrillator verfügbar ist, wird er eingesetzt. Moderne AED-Geräte geben Schritt-für-Schritt-Anweisungen per Sprachausgabe – sie sind bewusst so entwickelt, dass auch Laien sie bedienen können. In einer gut ausgestatteten Hausarztpraxis ist ein AED zwingend vorhanden und griffbereit.

Die 30:2-Regel und warum sie funktioniert

Das Schema aus 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen – die sogenannte 30:2-Regel – ist das Herzstück der Basis-Reanimation. Es hält die Organe mit Sauerstoff versorgt, bis das Herz durch Defibrillation oder medikamentöse Behandlung wieder einen normalen Rhythmus aufnimmt.

Wichtig: Die Herzdruckmassage darf nicht unterbrochen werden, außer für die kurzen Beatmungspausen und den Defibrillationsschock. Jede Unterbrechung lässt den aufgebauten Druck im Kreislauf sofort abfallen. Auch ein Wechsel der reanimierenden Person sollte möglichst schnell – unter zwei Sekunden – erfolgen, um die Pause minimal zu halten.

Reanimation in der Arztpraxis – Besonderheiten

In einer medizinischen Einrichtung gelten für die Reanimation höhere Anforderungen als für Laien. Das Praxisteam hat Zugang zu Medikamenten, Infusionen und erweiterten Maßnahmen der Reanimation. Adrenalin intravenös, Antiarrhythmika, Intubation – diese Maßnahmen werden von ausgebildetem medizinischen Personal durchgeführt und ergänzen die Basisreanimation.

In der Allgemeinmedizin und der Inneren Medizin sollte das Team regelmäßig Reanimationsübungen durchführen – mindestens einmal jährlich, besser häufiger. Nur wer den Ablauf geübt hat, kann ihn unter Stress abrufen. Das gilt für den Internisten genauso wie für die medizinische Fachangestellte am Empfang. Denn im Notfall ist jede Hand gefragt – und jede Sekunde zählt.

Die beste Reanimation ist die, die nicht gebraucht wird. Deshalb gehören zur guten medizinischen Versorgung auch präventive Maßnahmen: regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, EKG-Kontrollen bei Risikopatienten und eine konsequente Behandlung bekannter Herzerkrankungen. Prävention und Notfallkompetenz sind zwei Seiten derselben Medaille.