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Erstvorstellung von Patienten

Wer eine neue Arztpraxis aufsucht, betritt in gewisser Weise Neuland – auf beiden Seiten. Der Patient kennt den Arzt nicht, der Arzt kennt den Patienten nicht. Genau hier setzt die Erstvorstellung an: Sie ist mehr als ein erstes Kennenlernen. Sie ist die Grundlage für alles, was danach kommt. Ob akute Beschwerden, chronische Erkrankungen oder einfach der Wunsch nach einem zuverlässigen Hausarzt – der erste Besuch entscheidet oft darüber, wie gut die medizinische Betreuung langfristig funktioniert.

Was passiert bei der Erstvorstellung?

Bei der Erstvorstellung geht es darum, ein möglichst vollständiges Bild des neuen Patienten zu gewinnen. Der Arzt hat keinerlei Vorwissen – keine Akte, keine Vorbefunde, keine Krankengeschichte. Deshalb nimmt dieses erste Gespräch mehr Zeit in Anspruch als ein normaler Folgetermin. Das ist kein Zeichen von Ineffizienz, sondern von Sorgfalt.

In der Allgemeinmedizin und der Inneren Medizin beginnt die Erstvorstellung in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese. Der Arzt fragt nach aktuellen Beschwerden, früheren Erkrankungen, Operationen, regelmäßig eingenommenen Medikamenten und bekannten Allergien. Ergänzt wird das durch Fragen zum Lebensstil: Rauchen, Bewegung, Ernährung, Stress. All das hilft, den Patienten als Ganzes zu verstehen – nicht nur sein aktuelles Symptom.

Was Patienten mitbringen sollten

Damit der erste Besuch so reibungslos wie möglich verläuft, ist eine gewisse Vorbereitung hilfreich. Wer gut vorbereitet erscheint, erleichtert dem Arzt die Arbeit – und sich selbst die Wartezeit.

Folgende Unterlagen und Informationen sind bei der Erstvorstellung sinnvoll:

  • Krankenversicherungskarte sowie gegebenenfalls eine Überweisung vom bisherigen Arzt
  • Medikamentenliste mit allen aktuell eingenommenen Präparaten, inklusive Dosierung
  • Vorbefunde und Arztbriefe aus früheren Behandlungen oder Krankenhausaufenthalten
  • Impfausweis, sofern vorhanden
  • Informationen zu Vorerkrankungen in der Familie, besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs

Je vollständiger diese Angaben sind, desto zielgerichteter kann der Internist oder Hausarzt vorgehen. Wer seinen alten Impfausweis nicht findet oder die genauen Namen seiner Medikamente nicht kennt, sollte das ruhig ehrlich sagen – auch unvollständige Informationen sind besser als keine.

Die körperliche Untersuchung beim Erstkontakt

Nach dem Gespräch folgt in den meisten Fällen eine körperliche Untersuchung. Der Umfang hängt vom Grund des Besuchs ab. Bei einem allgemeinen Erstkontakt ohne spezifische Beschwerden wird der Arzt in der Regel Blutdruck, Puls und Gewicht erfassen, Herz und Lunge abhören und den Bauch abtasten.

Wenn der Patient einen Gesundheitscheck wünscht oder das Alter eine Rolle spielt, kann auch direkt ein Check-up 35 durchgeführt werden. Dieser beinhaltet neben der körperlichen Untersuchung auch eine Laboruntersuchung mit Bestimmung von Blutzucker, Blutfetten und einem Urinstatus. So erhält der Arzt bereits beim ersten Besuch eine solide Datenbasis.

Warum die Erstvorstellung so wichtig ist

Der erste Arztbesuch legt das Fundament für die gesamte weitere Betreuung. Wer von Anfang an offen kommuniziert und alle relevanten Informationen teilt, profitiert langfristig davon. Der Arzt kann gezielter behandeln, unnötige Doppeluntersuchungen vermeiden und im Notfall schneller reagieren.

Besonders wichtig ist die Erstvorstellung für Menschen, die bislang keinen festen Hausarzt hatten oder nach einem Umzug eine neue Praxis suchen. Gerade in der Inneren Medizin und der hausärztlichen Versorgung ist eine kontinuierliche Beziehung zwischen Arzt und Patient ein erheblicher Vorteil. Chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzprobleme lassen sich viel besser kontrollieren, wenn der Arzt die Vorgeschichte kennt.

Wie lange dauert eine Erstvorstellung?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, denn es hängt stark vom Anlass und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Bei einem jungen, gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen kann die Erstvorstellung in 20 bis 30 Minuten abgeschlossen sein. Bei älteren Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen, langer Medikamentenliste und umfangreichen Vorbefunden kann es deutlich länger dauern.

Wer sich auf einen ausführlicheren Besuch einstellt, ist auf der sicheren Seite. Es empfiehlt sich, den Termin nicht unmittelbar vor einem anderen wichtigen Termin zu legen. Zeitdruck hilft weder dem Arzt noch dem Patienten.

Erstvorstellung und Vorsorge – zwei Fliegen mit einer Klappe

Viele Patienten nutzen die Erstvorstellung gleichzeitig als Einstieg in die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung. Das ist sinnvoll: Wer ohnehin eine neue Praxis aufsucht, kann gleich klären, welche Vorsorgeuntersuchungen fällig sind, ob Impfungen aufgefrischt werden müssen und welche Risikofaktoren individuell im Blick behalten werden sollten.

Gerade Impfungen werden im Erwachsenenalter häufig vernachlässigt. Die Erstvorstellung bietet eine gute Gelegenheit, den Impfstatus prüfen zu lassen und gegebenenfalls fehlende Impfungen nachzuholen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bestimmte Auffrischungen für Erwachsene, zum Beispiel gegen Tetanus, Diphtherie oder Pertussis – viele Menschen wissen gar nicht, dass ihr Schutz längst abgelaufen ist.

Am Ende der Erstvorstellung sollte der Patient wissen, wie es weitergeht: Werden weitere Untersuchungen durchgeführt? Gibt es Überweisungen? Wann ist der nächste Termin sinnvoll? Ein guter Arzt nimmt sich die Zeit, diese Fragen zu beantworten – und ein guter Patient scheut sich nicht, sie zu stellen.