Reisemedizin
Die Reisemedizin befasst sich mit der gesundheitlichen Vorbereitung auf Reisen und der Vorbeugung reisebedingter Erkrankungen. Eine umfassende Reiseberatung in der Hausarztpraxis ist wichtig, um gesund aus dem Urlaub zurückzukehren. Neben Impfungen spielen auch Themen wie Malariavorbeugung, Höhenkrankheit, Reisedurchfall und die richtige Reiseapotheke eine Rolle. Der Hausarzt berät individuell und berücksichtigt dabei das Reiseziel, die Reisedauer, geplante Aktivitäten sowie Vorerkrankungen. Eine gute Vorbereitung beginnt idealerweise sechs bis acht Wochen vor der Abreise und ermöglicht einen sorgenfreien Urlaub ohne gesundheitliche Zwischenfälle.
Reiseberatung und Impfungen
Die Reiseberatung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über die geplante Reise. Der Arzt erfragt das Zielland, die Reisezeit, die Dauer des Aufenthalts und die Art der Unterbringung. Eine Luxusreise in ein Fünf-Sterne-Hotel birgt andere Risiken als eine Rucksacktour durch ländliche Gebiete. Auch Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und bestehende Allergien werden erfasst.
Zunächst wird der Impfstatus überprüft. Die Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Polio sollten aktuell sein. Dann kommen die spezifischen Reiseimpfungen hinzu, die vom Zielgebiet abhängen. Hepatitis A wird für die meisten Fernreisen empfohlen, Hepatitis B bei längeren Aufenthalten. Je nach Region können Typhus, Gelbfieber, Tollwut oder Meningokokken-Impfungen sinnvoll sein.
Welche Impfungen man für Reisen braucht, wird individuell festgelegt. Manche Impfungen sind Pflicht für die Einreise, etwa Gelbfieber für viele afrikanische und südamerikanische Länder. Andere sind freiwillig, aber dringend empfohlen. Der Hausarzt orientiert sich an aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und informiert über Nutzen und mögliche Nebenwirkungen jeder Impfung.
Malariaprophylaxe
Malaria ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die durch Mücken übertragen wird. Sie kommt in tropischen und subtropischen Gebieten vor, besonders in Afrika südlich der Sahara, in Teilen Asiens und Südamerikas. Eine Impfung gegen Malaria gibt es nicht, aber es stehen wirksame vorbeugende Medikamente zur Verfügung.
Die Wahl des Malariamittels hängt vom Reisegebiet ab. In manchen Regionen reicht eine Notfallmedikation für den Fall einer Erkrankung. In Hochrisikogebieten wird eine tägliche oder wöchentliche Tabletteneinnahme empfohlen. Die Medikamente werden meist kurz vor der Reise begonnen und noch einige Wochen nach Rückkehr fortgeführt.
Ebenso wichtig wie die Medikamente ist der Mückenschutz. Moskitonetze über dem Bett, lange helle Kleidung und Insektenschutzmittel auf der Haut reduzieren das Risiko erheblich. Malariamücken sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. In dieser Zeit sollte besonders auf Schutzmaßnahmen geachtet werden.
Reisedurchfall und Hygiene
Reisedurchfall ist die häufigste Gesundheitsstörung auf Reisen und betrifft etwa jeden dritten Urlauber. Er wird meist durch Bakterien, Viren oder Parasiten verursacht, die über verunreinigte Nahrung oder Wasser aufgenommen werden. In den meisten Fällen ist der Verlauf harmlos, er kann aber den Urlaub erheblich beeinträchtigen.
Die wichtigste Vorbeugung sind Hygienemaßnahmen. Die alte Regel „Cook it, peel it or forget it“ gilt weiterhin: Nur durchgegarte Speisen essen, Obst selbst schälen und auf Rohkost verzichten. Leitungswasser sollte in vielen Ländern nicht getrunken werden, auch nicht zum Zähneputzen. Eiswürfel in Getränken sind ebenfalls riskant. Flaschenwasser ist sicherer, wobei darauf zu achten ist, dass die Flasche verschlossen ist.
Händewaschen vor dem Essen ist selbstverständlich, wird aber oft vergessen. Desinfektionsmittel für unterwegs sind praktisch, wenn keine Waschmöglichkeit vorhanden ist. Trotz aller Vorsicht lässt sich Durchfall nicht immer vermeiden. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke mit Elektrolytlösungen und eventuell Antibiotika für schwere Fälle ist daher wichtig.
Die richtige Reiseapotheke
Zur Reiseapotheke gehören verschiedene Medikamente und Hilfsmittel:
- Schmerzmittel und Fiebermittel
- Mittel gegen Durchfall und Übelkeit
- Elektrolytlösungen zum Ausgleich von Flüssigkeitsverlust
- Wunddesinfektionsmittel und Pflaster
- Insektenschutzmittel und After-Sun-Lotion
- Persönliche Medikamente in ausreichender Menge
Chronisch Kranke sollten ihre Dauermedikamente in doppelter Menge mitnehmen, verteilt auf Handgepäck und Koffer. Bei Flugreisen ist es sinnvoll, eine Bescheinigung des Arztes mitzuführen, die die Notwendigkeit der Medikamente bestätigt. Besonders bei Spritzen, etwa Insulinpens, ist dies wichtig für Sicherheitskontrollen.
Besondere Situationen
Bei chronischen Erkrankungen ist die reisemedizinische Beratung besonders wichtig. Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Atemwegserkrankungen sollten vor Fernreisen mit ihrem Internisten sprechen. Manche Reiseziele sind für bestimmte Erkrankungen ungünstig. Große Höhen belasten Herz und Lunge, tropische Hitze kann die Medikamentenwirkung beeinflussen.
Schwangere sollten vor Reisen ebenfalls ärztlichen Rat einholen. Manche Impfungen sind in der Schwangerschaft nicht möglich. Auch Flugreisen werden ab einem bestimmten Schwangerschaftsmonat nicht mehr empfohlen. Malariagebiete sollten Schwangere möglichst meiden, da die Erkrankung für Mutter und Kind gefährlich ist.
Ältere Menschen und Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit. Beide Altersgruppen reagieren empfindlicher auf Hitze, Kälte und Zeitverschiebung. Die Reiseplanung sollte dies berücksichtigen. Ausreichend Ruhepausen, genügend Flüssigkeit und eine langsame Akklimatisierung sind wichtig.
Nach der Reise
Treten nach der Rückkehr Fieber, Durchfall oder andere Beschwerden auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Wichtig ist, den Arzt über die Reise zu informieren, auch wenn sie schon Wochen zurückliegt. Manche Tropenkrankheiten zeigen sich erst mit Verzögerung. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für den Heilungserfolg. Die Reisemedizin endet also nicht mit der Rückkehr, sondern umfasst auch die Nachsorge.




