Impfmanagement
Ein gut organisiertes Impfmanagement ist wichtig für einen umfassenden Gesundheitsschutz und gehört zu den zentralen Aufgaben der Hausarztpraxis. Impfungen schützen vor gefährlichen Infektionskrankheiten und haben in den letzten Jahrzehnten Millionen von Leben gerettet. Die Impfberatung umfasst die Überprüfung des aktuellen Impfschutzes, die Empfehlung fehlender Impfungen und deren Durchführung. Der Hausarzt orientiert sich dabei an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, kurz STIKO, die regelmäßig aktualisiert werden. Ein vollständiger Impfschutz ist die beste Prävention gegen viele schwere Erkrankungen.
Welche Impfungen sollte ich als Erwachsener haben
Die Standardimpfungen für Erwachsene sind überschaubarer als die umfangreichen Impfpläne für Kinder. Dennoch ist ein aktueller Impfschutz auch im Erwachsenenalter wichtig. Die Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie sollte alle zehn Jahre erfolgen. Bei der nächsten fälligen Auffrischung wird gleichzeitig gegen Keuchhusten, medizinisch Pertussis genannt, geimpft. Diese Kombinationsimpfung ist gut verträglich und schützt vor drei gefährlichen Erkrankungen.
Tetanus ist eine bakterielle Infektion, die durch Wundverletzungen übertragen wird und unbehandelt tödlich verlaufen kann. Diphtherie kommt in Deutschland zwar selten vor, ist aber bei Reisen in bestimmte Länder noch relevant. Keuchhusten wird oft unterschätzt, kann aber besonders für ältere Menschen und Säuglinge gefährlich werden. Die Impfung schützt nicht nur die geimpfte Person selbst, sondern auch gefährdete Menschen im Umfeld.
Menschen, die nach 1970 geboren wurden und unklar geimpft sind oder nur eine Masernimpfung in der Kindheit hatten, sollten eine einmalige Masernimpfung erhalten. Diese wird meist als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln verabreicht. Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können schwere Komplikationen verursachen.
Impfungen für Menschen ab 60 Jahren
Ab dem 60. Lebensjahr werden zusätzliche Impfungen empfohlen. Die jährliche Grippeimpfung schützt vor schweren Verläufen der Influenza. Die Grippe ist keine einfache Erkältung, sondern kann besonders bei älteren Menschen zu Lungenentzündungen und anderen Komplikationen führen. Die Impfung wird jedes Jahr im Herbst durchgeführt, idealerweise im Oktober oder November.
Die Pneumokokken-Impfung schützt vor bakteriellen Lungenentzündungen und wird ab 60 Jahren empfohlen. Pneumokokken sind häufige Erreger schwerer Atemwegsinfektionen, die bei älteren Menschen oft einen Krankenhausaufenthalt erfordern. Die Impfung wird meist nur einmal gegeben und bietet einen langjährigen Schutz.
Seit einigen Jahren wird auch die Impfung gegen Gürtelrose, medizinisch Herpes zoster, für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Die Gürtelrose entsteht durch Reaktivierung von Windpockenviren und verursacht oft starke Schmerzen, die Wochen oder Monate anhalten können. Die Impfung reduziert das Risiko erheblich und wird in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht.
Den Impfstatus prüfen
Um zu wissen, welche Impfungen notwendig sind, muss zunächst der aktuelle Impfstatus überprüft werden. Der Impfausweis dokumentiert alle bisherigen Impfungen mit Datum und Impfstoff. Bei der Impfberatung in der Hausarztpraxis wird dieser Pass kontrolliert und fehlende oder auffrischungsbedürftige Impfungen werden identifiziert.
Leider haben viele Menschen ihren Impfausweis verloren oder wissen nicht, wo er sich befindet. In diesem Fall kann der Hausarzt anhand alter Unterlagen versuchen, frühere Impfungen zu rekonstruieren. Oft ist dies jedoch nicht vollständig möglich. Im Zweifelsfall werden die wichtigen Impfungen einfach wiederholt, da dies ungefährlich ist und einen sicheren Schutz gewährleistet.
Standardimpfungen für Erwachsene:
- Tetanus, Diphtherie und Pertussis alle 10 Jahre
- Masern für nach 1970 Geborene einmalig
- Ab 60 Jahren: Influenza jährlich, Pneumokokken, Herpes zoster
- FSME bei Aufenthalt in Risikogebieten
Die FSME-Impfung schützt vor der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis. Sie wird Menschen empfohlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort häufig im Freien aufhalten. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen, danach sind Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre notwendig.
Reiseimpfungen
Bei geplanten Reisen ist eine rechtzeitige Reiseberatung wichtig. Je nach Reiseziel können verschiedene Impfungen notwendig oder empfehlenswert sein. Die Reiseimpfung gegen Hepatitis A wird für die meisten Fernreisen empfohlen, da diese Lebererkrankung über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen wird.
Für längere Aufenthalte oder besondere Reisebedingungen können weitere Impfungen sinnvoll sein: Hepatitis B, Typhus, Tollwut, Japanische Enzephalitis oder Meningokokken. Auch die Gelbfieberimpfung ist für manche Länder Pflicht. Welche Impfungen man für Reisen braucht, hängt vom genauen Reiseziel, der Reisedauer und den geplanten Aktivitäten ab.
Die Reiseberatung sollte idealerweise sechs bis acht Wochen vor der Reise stattfinden, da manche Impfungen mehrere Dosen benötigen und Zeit brauchen, um ihren vollen Schutz zu entfalten. Der Hausarzt informiert auch über weitere Schutzmaßnahmen wie Malariaprophylaxe oder besondere Hygieneregeln.
Dokumentation und Erinnerungssysteme
Die sorgfältige Dokumentation aller Impfungen im Impfpass ist wichtig. Jede Impfung wird mit Datum, Chargennummer und Stempel des Arztes eingetragen. Dieser Nachweis ist bei Reisen manchmal erforderlich und dient auch als Gedächtnisstütze für zukünftige Auffrischungen.
Moderne Hausarztpraxen nutzen Erinnerungssysteme, um Patienten rechtzeitig an fällige Auffrischimpfungen zu erinnern. Manche Praxen verschicken Erinnerungsschreiben oder rufen an. Auch digitale Impfpässe werden zunehmend eingesetzt und können Erinnerungsfunktionen bieten.
Viele Menschen vergessen ihre Auffrischimpfungen. Dabei ist ein kontinuierlicher Schutz wichtig. Wer seinen Impfpass beim nächsten Besuch in der Hausarztpraxis mitbringt, kann seinen Status überprüfen lassen. Die Impfberatung ist eine wichtige Leistung der Prävention und trägt zum Schutz der eigenen Gesundheit und der Gemeinschaft bei.




