Labordiagnostik
Die Labordiagnostik ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Medizin und liefert objektive Messwerte über den Gesundheitszustand. Durch Laboruntersuchungen können Erkrankungen frühzeitig erkannt, Risikofaktoren identifiziert und Therapien kontrolliert werden. In der Inneren Medizin werden täglich zahlreiche Bluttests durchgeführt, um Stoffwechselstörungen, Entzündungen, Organfunktionen und vieles mehr zu beurteilen. Die Blutabnahme in der Hausarztpraxis dauert nur wenige Minuten, die gewonnenen Informationen sind jedoch oft entscheidend für die weitere Behandlung.
Was zeigt eine Blutuntersuchung
Eine Laboruntersuchung kann eine Vielzahl von Parametern erfassen. Das kleine Blutbild zeigt die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Diese Werte geben Hinweise auf Blutarmut, Infektionen oder Gerinnungsstörungen. Das große Blutbild differenziert zusätzlich die verschiedenen Arten der weißen Blutkörperchen und ermöglicht genauere Aussagen über das Immunsystem.
Die Leberwerte zeigen an, wie gut die Leber funktioniert. Erhöhte Werte können auf eine Leberverfettung, Entzündung oder andere Lebererkrankungen hinweisen. Der Check der Nierenwerte ist wichtig, um die Nierenfunktion zu beurteilen. Besonders bei Bluthochdruck oder Diabetes sollten diese Werte regelmäßig kontrolliert werden, da beide Erkrankungen die Nieren schädigen können.
Die Schilddrüsenwerte im Bluttest geben Auskunft über die Funktion der Schilddrüse. Eine Unter- oder Überfunktion kann vielfältige Beschwerden verursachen und sollte rechtzeitig erkannt werden. Die Blutfettwerte, also Cholesterin und Triglyzeride, sind wichtig für die Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos.
Blutabnahme und Vorbereitung
Die Blutabnahme erfolgt meist aus einer Vene in der Ellenbeuge. Für viele Untersuchungen sollte der Patient nüchtern sein, das heißt, mindestens acht Stunden vorher nichts gegessen haben. Trinken von Wasser oder ungesüßtem Tee ist erlaubt. Diese Nüchternheit ist besonders wichtig für die Bestimmung von Blutzucker und Blutfettwerten.
Bei der Blutabnahme wird ein Stauschlauch um den Oberarm gelegt, um die Vene besser sichtbar zu machen. Nach Desinfektion der Haut wird die Nadel eingeführt und das Blut in verschiedene Röhrchen abgenommen. Je nach Fragestellung werden unterschiedliche Röhrchen verwendet, die verschiedene Zusätze enthalten. Der gesamte Vorgang dauert nur wenige Minuten und ist mit einem kurzen Pieks verbunden.
Nach der Blutabnahme wird ein Pflaster auf die Einstichstelle geklebt. Der Arm sollte für einige Minuten gestreckt bleiben, um Nachblutungen oder Blutergüsse zu vermeiden. Die Blutproben werden dann ins Labor geschickt, wo sie analysiert werden.
Wichtige Laborwerte im Überblick
Die Leberwerte umfassen mehrere Parameter. Die Transaminasen GPT und GOT zeigen Leberzellschäden an. Die Gamma-GT reagiert besonders empfindlich auf Alkohol. Das Bilirubin, der Gallenfarbstoff, kann bei Leberfunktionsstörungen oder Gallenabflussproblemen erhöht sein. Ein umfassender Leberwerte-Check gehört zu vielen Routineuntersuchungen.
Die Nierenwerte werden hauptsächlich durch Kreatinin und Harnstoff im Blut bestimmt. Aus dem Kreatininwert wird die glomeruläre Filtrationsrate berechnet, die die tatsächliche Nierenleistung angibt. Dieser Wert ist aussagekräftiger als das Kreatinin allein. Bei eingeschränkter Nierenfunktion müssen Medikamente oft angepasst werden.
Der HbA1c-Test zeigt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten zwei bis drei Monate. Dieser Langzeitwert ist wichtig für die Beurteilung der Diabeteseinstellung. Ein normaler Nüchternblutzucker schließt einen Diabetes nicht aus, ein erhöhter HbA1c-Wert hingegen beweist ihn.
Spezielle Laboruntersuchungen
Für bestimmte Fragestellungen sind spezielle Untersuchungen notwendig. Bei Verdacht auf Eisenmangel werden Ferritin und Transferrinsättigung bestimmt. Ein Eisenmangel-Bluttest kann die Ursache von Müdigkeit und Leistungsschwäche aufdecken. Eisenmangel ist besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter häufig.
Der Vitamin-D-Bluttest zeigt, ob ein Mangel an diesem wichtigen Vitamin vorliegt. Vitamin D ist wichtig für Knochen, Immunsystem und Muskulatur. Ein Mangel ist in Deutschland weitverbreitet, besonders in den Wintermonaten. Bei nachgewiesenem Mangel kann durch Substitution schnell Abhilfe geschaffen werden.
Entzündungswerte wie CRP und Blutsenkung zeigen an, ob im Körper eine Entzündung vorliegt. Diese Parameter sind unspezifisch, das heißt, sie zeigen nur, dass etwas nicht stimmt, nicht aber wo. Zusammen mit den klinischen Befunden helfen sie bei der Diagnose von Infektionen oder entzündlichen Erkrankungen.
Laborwerte in der Vorsorge
Bei der Gesundheitsvorsorge spielen Laboruntersuchungen eine zentrale Rolle. Der Check-up 35, der allen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren zusteht, beinhaltet die Bestimmung von Blutzucker und Cholesterin. Diese Untersuchung dient der Früherkennung von Diabetes und erhöhten Blutfettwerten.
Wichtige Vorsorge-Laborwerte:
- Nüchternblutzucker oder HbA1c zur Diabetes-Früherkennung
- Gesamtcholesterin, LDL und HDL zur Risikoeinschätzung
- Kreatinin zur Beurteilung der Nierenfunktion
- Leberwerte zur Kontrolle der Leberfunktion
Im Rahmen von Chronikerprogrammen wie dem DMP Diabetes sind regelmäßige Laboruntersuchungen vorgeschrieben. Bei der Diabetesbetreuung wird alle drei Monate der HbA1c-Wert kontrolliert. Auch die Nierenwerte und Lipide werden regelmäßig überprüft, um Diabetes-Folgeschäden frühzeitig zu erkennen.
Interpretation der Laborwerte
Laborwerte müssen immer im klinischen Zusammenhang interpretiert werden. Ein einzelner erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Manchmal sind Abweichungen vorübergehend oder durch äußere Faktoren bedingt. Der Internist beurteilt die Werte im Gesamtkontext und entscheidet, ob weitere Untersuchungen oder eine Behandlung notwendig sind.
Manche Werte zeigen erst bei deutlichen Abweichungen Symptome. Daher sind regelmäßige Kontrollen wichtig, besonders bei Risikopatienten. Die Kombination aus Laboruntersuchungen, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder EKG ermöglicht eine umfassende medizinische Beurteilung und bildet die Grundlage für eine individuell angepasste Behandlung in der Inneren Medizin.




