Spirometrie
Die Spirometrie ist die Standardmethode zur Messung der Lungenfunktion und gehört zu den wichtigsten Untersuchungen in der Inneren Medizin. Mit diesem Verfahren lässt sich objektiv beurteilen, wie gut die Atemwege und die Lunge funktionieren. Die Untersuchung ist schmerzfrei, schnell durchführbar und liefert präzise Messwerte, die für die Diagnose von Atemwegserkrankungen unverzichtbar sind. Besonders bei der Asthmadiagnose und der COPD-Abklärung spielt die Spirometrie eine zentrale Rolle, da sie charakteristische Veränderungen der Atemfunktion sichtbar macht.
Grundlagen der Spirometrie
Die Spirometrie misst das Volumen und die Geschwindigkeit der ein- und ausgeatmeten Luft. Das Untersuchungsgerät, das Spirometer, zeichnet diese Atemströme auf und erstellt daraus aussagekräftige Kurven. Der Internist kann anhand dieser Kurven und der gemessenen Werte feststellen, ob die Lungenfunktion normal ist oder ob Einschränkungen vorliegen.
Die wichtigsten Parameter sind die Vitalkapazität und die Einsekundenkapazität. Die Vitalkapazität beschreibt die maximale Luftmenge, die nach tiefster Einatmung ausgeatmet werden kann. Die Einsekundenkapazität, auch FEV1 genannt, zeigt, wie viel Luft in der ersten Sekunde einer forcierten Ausatmung herausgepresst werden kann. Das Verhältnis dieser beiden Werte ist besonders aussagekräftig.
Bei gesunden Menschen liegt dieses Verhältnis über 70 Prozent. Ein niedrigerer Wert deutet auf eine Verengung der Atemwege hin, wie sie typischerweise bei Asthma oder COPD auftritt. Diese obstruktiven Lungenerkrankungen erschweren das Ausatmen, während das Einatmen meist noch gut funktioniert.
Durchführung der Untersuchung
Die Spirometrie wird in der Arztpraxis durchgeführt und erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. Der Patient sitzt aufrecht und erhält eine Nasenklemme, damit die gesamte Atmung über den Mund erfolgt. Das Mundstück des Spirometers wird fest mit den Lippen umschlossen, um Luftverluste zu vermeiden.
Zunächst erfolgen einige ruhige Atemzüge zur Gewöhnung. Dann folgen die eigentlichen Messmanöver. Bei der Messung der forcierten Vitalkapazität atmet der Patient tief ein und bläst dann so schnell und kräftig wie möglich die gesamte Luft aus. Dieses Manöver wird mehrmals wiederholt, mindestens dreimal, um reproduzierbare Werte zu erhalten.
Die Untersuchung ist anstrengend und kann zu leichtem Schwindel führen, was völlig normal ist. Die beste Messung wird für die Auswertung herangezogen. Eine gute Mitarbeit ist entscheidend für aussagekräftige Ergebnisse. Der Arzt oder die medizinische Fachangestellte erklärt die Manöver genau und motiviert während der Messung.
Wann wird eine Spirometrie durchgeführt
Die Indikationen für eine Spirometrie sind vielfältig. Bei Atemnot, chronischem Husten oder pfeifenden Atemgeräuschen ist die Untersuchung wichtig, um die Ursache zu klären. Auch Raucher sollten regelmäßig untersucht werden, um eine beginnende COPD frühzeitig zu erkennen.
Typische Einsatzgebiete der Spirometrie:
- Asthmadiagnose bei Verdacht auf überempfindliche Atemwege
- COPD-Abklärung bei Rauchern mit chronischem Husten
- Verlaufskontrolle bei bekannten Atemwegserkrankungen
- Beurteilung der Operationsfähigkeit vor größeren Eingriffen
Bei der Asthmadiagnose ist die Spirometrie besonders wertvoll. Asthma zeigt sich durch eine reversible Verengung der Atemwege. Um dies zu testen, wird nach der ersten Messung ein bronchienerweiterndes Medikament inhaliert. Nach etwa 15 Minuten erfolgt eine zweite Messung. Bei Asthma verbessern sich die Werte deutlich, oft um mehr als 12 Prozent. Diese Reversibilität ist das Kennzeichen der Erkrankung.
Spirometrie in den Chronikerprogrammen
Die Spirometrie ist ein fester Bestandteil der strukturierten Betreuung im DMP (Disease-Management-Programm) Asthma und DMP COPD. Diese Chronikerprogramme der gesetzlichen Krankenkassen sehen regelmäßige Lungenfunktionstests vor, um den Krankheitsverlauf zu überwachen. Bei Asthma sollte mindestens einmal jährlich eine Spirometrie durchgeführt werden, bei COPD ebenfalls.
Diese regelmäßigen Kontrollen helfen, Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen. Wenn die Lungenfunktion trotz Therapie abnimmt, muss die Behandlung angepasst werden. Umgekehrt zeigen stabile oder verbesserte Werte, dass die Therapie wirkt. Diese objektiven Messungen sind wichtiger als das subjektive Empfinden des Patienten.
Interpretation der Ergebnisse
Die Spirometrie-Ergebnisse werden mit Normwerten verglichen, die von Alter, Geschlecht, Größe und ethnischer Herkunft abhängen. Werte über 80 Prozent des Sollwerts gelten als normal. Leichte Einschränkungen liegen zwischen 60 und 80 Prozent, mittelschwere zwischen 40 und 60 Prozent, schwere unter 40 Prozent.
Das FEV1/FVC-Verhältnis, also der Quotient aus Einsekundenkapazität und Vitalkapazität, ist der wichtigste diagnostische Parameter. Ein Wert unter 70 Prozent beweist eine obstruktive Ventilationsstörung. Je niedriger dieser Wert, desto ausgeprägter die Verengung der Atemwege.
Grenzen der Spirometrie
Die Spirometrie hat auch ihre Grenzen. Sie kann nur dann aussagekräftige Ergebnisse liefern, wenn der Patient gut mitarbeitet. Bei sehr alten oder kranken Menschen ist dies manchmal nicht möglich. Auch akute Atemwegsinfekte können die Messung beeinflussen und sollten abgewartet werden.
Die Spirometrie zeigt nur die Funktion der großen Atemwege. Veränderungen im Lungengewebe selbst oder in den kleinsten Bronchien werden möglicherweise nicht erkannt. In solchen Fällen sind erweiterte Lungenfunktionstests oder bildgebende Verfahren notwendig.
Bedeutung für die Therapie
Die Spirometrie ist nicht nur für die Diagnose wichtig, sondern auch für die Therapiesteuerung. Bei Patienten mit Asthma oder COPD zeigen die regelmäßigen Messungen, ob die Behandlung ausreicht oder intensiviert werden muss. Eine Verschlechterung der Lungenfunktion ist ein Warnsignal, das konsequentes Handeln erfordert.
Auch der Erfolg von therapeutischen Maßnahmen lässt sich objektiv nachweisen. Nach einem Rauchstopp bei COPD kann die Spirometrie zeigen, dass sich die Lungenfunktion stabilisiert oder sogar leicht verbessert. Dies motiviert Patienten, die Veränderungen beizubehalten. Die Spirometrie bleibt damit ein unverzichtbares Werkzeug in der modernen Diagnostik und Behandlung von Atemwegserkrankungen.




